Entwicklung eines Landinformationssystems für Österreich

Hintergrund

Europa und Österreich können auf eine lange Erfahrung in der Kartierung von Bodenbedeckung und Landnutzung aufbauen. Allerdings wurden diesbezügliche Datensätze in Österreich bisher unter Berücksichtigung unterschiedlicher Standards hergestellt und sind daher in den wenigsten Fällen miteinander vergleichbar und darüber hinaus meist veraltet. Um die bestehenden gesetzlichen Berichtsverpflichtungen auf europäischer, nationaler, regionaler und lokaler Ebene erfüllen zu können, werden detaillierte, aktuelle und harmonisierte Informationen benötigt.

Daher ist die Verfügbarkeit eines österreichweiten, bedarfsgerechten Bodenbedeckungs- (land cover, LC) und Landnutzungsdatensatzes (land use, LU) als Grundlage für politische Entscheidungen, eine effektivere Verwaltung, erfolgreiche Corporate Governance und die persönliche Nutzung durch österreichische Bürger eine unverzichtbare Notwendigkeit. Insbesondere werden solche digitalen Geoinformationen von den Dienststellen der öffentlichen Verwaltung auf staatlicher und regionaler Ebene für die Agenden der Raumplanung, Forst-, Land- und Wasserwirtschaft, Naturgefahrenmanagement, Umwelt- und Naturschutz benötigt. Detaillierte Daten über Status und Veränderungen der Bodenbedeckung sind auch im privaten Sektor, wie etwa in der Standortplanung oder dem Geomarketing, erforderlich.

Die derzeit verfügbaren Bodenbedeckungsdaten können diesen Anforderungen entweder aufgrund ihrer geringen Auflösung oder ihrer mangelnden Aktualität nicht gerecht werden.


Vorhabensziel

Um den Mangel an bedarfsgerechten Landbedeckungs- & Landnuzungsdatensätzen für regionale, nationale sowie europäische Verwaltungs- und Berichtspflichten zu überwinden, wurde hier das Projekt Land Informations System Austria (LiSA) durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG) gefördert. Das Ziel von LiSA ist es, einen Konsens über eine neue österreichische Datenbank zur Landbedeckung und -nutzung zu erzielen und die Vorteile einer verbesserten räumlichen und thematischen Informationstiefe aus Luftbild- und Satellitendaten zu demonstrieren. LiSA wird so konzipiert, dass es zukünftig in regelmäßigen Abständen Informationen zum Status quo und der Veränderungen der österreichischen Landschaft bereitstellt. Dabei ist LiSA gleichsam der Startpunkt für eine breite Palette von nachgelagerten Diensten (Downstream services) und branchenspezifischen Anwendungen (multi-purpose & multi-usage).


Innovative Technologien

LiSA verbindet modernste wissenschaftliche Methoden und innovative Technologie unter dem Aspekt der Kosteneffizienz. Durch die kombinierte Auswertung von Satellitendaten mit existierenden Datenbeständen der Verwaltung, wie z.B. hochauflösenden in-situ-Daten, wird eine effiziente Verwendung der eingesetzten Mittel sichergestellt und eine Finanzierungsnachhaltigkeit zwischen verschiedenen Verwaltungseinheiten erreicht.
Der direkte Informationszugang für die Nutzer von LiSA ist durch eine geplante Distributionsplattform auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene gewährleistet. Während des gesamten Iterationsprozesses werden die Resultate aus LiSA für den wissenschaftlichen - technischen Beirat über das internetbasierte GeoPortal laufend verfügbar sein.



Vorhabensablauf

Das vorrangige Ziel des Projekts ist es, die verschiedenen Nutzergruppen mit harmonisierten, aktuellen und geometrisch genauen Informationen zur Bodenbedeckung und Bodennutzung zu versorgen. Um dies zu erreichen, ist eine mehrphasige Projektabwicklung konzipiert worden (Abb.1).


Der Schwerpunkt der ersten Phase im Rahmen des Austrian Space Application Programme (ASAP) 6 ist die korrekte Übertragung der Nutzerbedürfnisse in konkrete technische Anforderungen und die Darstellung der grundlegenden wirtschaftlichen und technischen Machbarkeit. Die großflächige Demonstration der Anwendbarkeit und die Implementierung des „Change Detection“ Konzeptes von LiSA werden in ASAP 7 erfolgen. Die bundesweite Ausweitung von LiSA ist im Anschluss an ASAP 7 geplant (Abb.1).

In der Konzeptphase werden ausgewählte Vertreter der Länder (Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten, Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland), des Bundes (LFRZ, UBA) und ein europäischer Vertreter (ETC-LUSI) die Nutzeranforderungen festlegen. Diese Anforderungen werden durch einen wissenschaftlich-technischen Beirat (AIT, Technische Universitäten Wien und Graz, BOKU) verifiziert und führen zu den verbindlichen technischen Spezifikationen für die Produktion der Prototypen, die seitens GeoVille und Joanneum Research erfolgen wird.

Das LiSA-Produktionsteam wird in zwei Iterationen repräsentative Kartierungen in den teilnehmenden Bundesländern nach den Vorgaben der Nutzergruppe erstellen. Die Qualitätssicherung der Produktion wird durch eine ISO 9000 Zertifizierung der Mitglieder des Produktionsteams gewährleistet. Darüber hinaus erfolgt im Zuge des iterativen Prototyping-Prozess die Definition des Preises, der zusammen mit der Erfüllung des wissenschaftlichen Standards und der Benutzerspezifikationen durch den unabhängigen wissenschaftlich-technischen Beirat geprüft wird.



Europäische Kompatibilität

Um die Vergleichbarkeit und Kompatibilität mit verschiedenen regionalen und europäischen Anforderungen (z.B. geometrische Spezifikationen, thematische Objektklassen) sicherzustellen, soll das LiSA-Modell als objekt-orientierte Datenbank konzipiert (vergleichbar mit den nationalen Landüberwachungs- systemen in Spanien, Deutschland und Großbritannien) und integriert werden.


Ergebnisse der LiSA Konzeptphase

  • ein LiSA Kartierungskatalog mit der inhaltlichen Beschreibung des LiSA Datenmodelles zur Landnutzung/Landbedeckung.
  • eine Beschreibung der Datenbank-Architektur und des LiSA Datenmodelles, einschließlich einer eingehenden Bewertung des Systems unter den Aspekten Flexibilität und Kompatibilität.
  • GIS-fähige Prototypen in den teilnehmenden Bundesländern, sowie Darstellung der Produktionskosten
  • LiSA web-basiertes, standardisiertes Vertriebssystem (GeoPortal)